Kaum zwei Wochen nach dem Start seines persönlichen KI-Agenten Muse – wir hatten berichtet – hat Meta auf seiner Entwicklerkonferenz Connect kräftig nachgelegt: mit eigener Hardware, neuen Handelspartnern und einem Early-Access-Programm für weitere Funktionen. Gleichzeitig zeigt ein Streit mit Amazon, wie umkämpft der Zugang zu KI-gestütztem Einkaufen gerade wird.
Das Thema kurz und kompakt
- Muse hat seit dem Start am 8. September bereits 3,4 Millionen Downloads erreicht und wuchs damit laut Berichten schneller als ChatGPT zum vergleichbaren Zeitpunkt.
- Meta bringt Muse in den kommenden Monaten auf seine KI-Brillen und stellt mit Muse Charm ein schlüsselbundgroßes Gerät vor, über das sich der Assistent direkt ansprechen lässt.
- Zusätzlich kündigte Meta die Meta-VR-Glasses für 1.299 US-Dollar an, mit Marktstart im Frühjahr 2027.
- Ein neues Early-Access-Programm lässt Interessierte kommende Funktionen vorab testen, darunter einen Video-Avatar für Gespräche mit Muse und eine eigenständige Steuerung des Mac-Computers.
- Amazon blockiert Muse seit dem 20. September vom eigenen Einkaufsprozess – aus Sicherheits- und Datenschutzgründen, nachdem Meta Amazon vorab nicht über den Zugriff informiert hatte.
- Wer verstehen möchte, wie sich solche KI-Agenten und ihr Zugriff auf Handelsplattformen entwickeln, findet in der KI Prompt Engineering-Weiterbildung von Distart die passende Grundlage.
Ein schneller Start: 3,4 Millionen Downloads in drei Wochen
Muse, Metas Anfang September gestarteter persönlicher KI-Agent, hatte binnen weniger Tage die App-Charts erklommen und die Meta-Aktie um mehr als 20 Prozent steigen lassen. Laut Schätzungen des Marktforschungsunternehmens Sensor Tower erreichte die App bis Ende September rund 3,4 Millionen Downloads, aktuell ausschließlich in den USA verfügbar. Berichten von TechCrunch zufolge wuchs Muse in der Anfangsphase sogar schneller als ChatGPT und verzeichnete mehr tägliche aktive Nutzer:innen als OpenAIs Chatbot zum vergleichbaren Zeitpunkt nach dessen eigenem Start. Meta bewirbt die App zudem intensiv: Innerhalb der ersten zehn Tage entfiel der Großteil der internen Meta-Werbeanzeigen auf Muse, noch vor Facebook, Instagram und WhatsApp, ergänzt um Kampagnen auf Reddit, TikTok und YouTube.
Muse zieht in Brillen, Schlüsselbund und VR-Headset ein
Auf der Entwicklerkonferenz Connect Ende September machte Meta-Chef Mark Zuckerberg Muse entsprechend zum Mittelpunkt der Veranstaltung. Künftig soll sich der Assistent auch über Metas KI-Brillen ansprechen lassen – durch Aussprechen eines Weckworts, während Muse gleichzeitig sieht, was die tragende Person gerade vor sich hat. Für alle, die keine Brille tragen möchten, stellte Zuckerberg zum Ende seiner Präsentation ein zweites Gerät vor: Muse Charm, ein Tamagotchi-großes Gadget für den Schlüsselbund mit kleinem Bildschirm, auf dem ein niedliches, flauschiges Maskottchen den Assistenten verkörpert. Details zu Funktionsumfang oder Preis nannte Meta noch nicht, nur dass das Gerät pünktlich zum Weihnachtsgeschäft im Dezember erhältlich sein soll. Zusätzlich kündigte Meta die Meta-VR-Glasses an, ein gegenüber den bisherigen Quest-Headsets deutlich schlankeres VR-Gerät für 1.299 US-Dollar, ebenfalls per Sprache mit Muse steuerbar, mit Marktstart im Frühjahr 2027.
Wer diese kommenden Funktionen vorab testen möchte, kann sich seit dem 25. September für ein Early-Access-Programm anmelden – ganz ohne klassisches Anmeldeformular, sondern indem man Muse direkt darum bittet, auf die Warteliste gesetzt zu werden. Zu den angekündigten Funktionen zählen ein digitaler Video-Avatar für Live-Gespräche mit dem Assistenten, eine eigenständige Steuerung des Mac-Computers zur Erledigung komplexerer Aufgaben, eine eigene E-Mail-Adresse für Muse sowie weitere Einkaufspartner und Anbindungen. Eine Garantie auf sofortigen Zugang gibt es dabei nicht.
Beim Einkaufen erweitert Meta das Partnernetzwerk von Muse ebenfalls deutlich: Neben bereits bestehenden Anbindungen kommen Walmart, Best Buy, Gap, Wayfair, Sephora und weitere Händler hinzu. Bezahlt werden kann über Shop Pay oder PayPal.
Amazon blockiert Muse beim Einkaufen
Genau dieser Ausbau der Shopping-Funktion sorgt gleichzeitig für Ärger: Seit Sonntagabend, dem 20. September, blockiert Amazon den Zugriff von Muse auf Amazon.com. Wer versucht, über den Meta-Agenten auf Amazon einzukaufen, bekommt stattdessen eine Meldung angezeigt, wonach der fortgesetzte Zugriff durch einen nicht autorisierten KI-Agenten gegen die Amazon-Nutzungsbedingungen verstoße. Als Gründe nennt Amazon: Meta habe vorab nicht mitgeteilt, dass Muse auf der Plattform einkaufen werde, der Agent gebe sich beim Browsen nicht als KI zu erkennen, und er scheine Kundenzugangsdaten zu erfassen und zu speichern – was aus Amazons Sicht Datenschutz- und Sicherheitsrisiken berge. Ein Amazon-Sprecher erklärte, man habe Meta zuvor erfolglos gebeten, Amazon freiwillig aus dem Muse-Erlebnis herauszunehmen: „Agentische Drittanbieter-Anwendungen wie Muse unterliegen denselben Pflichten, und wir haben Meta gebeten, Amazon aus dem Erlebnis zu entfernen.“ Nach eigenen Angaben stehe man mittlerweile in direktem Austausch mit Meta zu dem Thema.
Bemerkenswert ist der Zeitpunkt: Amazon führt bereits einen ähnlichen Rechtsstreit mit dem KI-Anbieter Perplexity wegen dessen Shopping-Assistenten Comet, während Shopify in die entgegengesetzte Richtung geht und eine Partnerschaft mit Meta eingegangen ist, die Einkäufe bei Shopify-Händlern über Muse per Shop Pay ermöglicht. Der Streit zeigt exemplarisch, wie unterschiedlich Plattformen aktuell mit dem Zugriff fremder KI-Agenten auf die eigene Handelsinfrastruktur umgehen – während Amazon selbst mit „Buy for Me“ an einem eigenen, autonomen Einkaufswerkzeug arbeitet.
Für Unternehmen, die selbst im E-Commerce aktiv sind oder beobachten, wie sich KI-Agenten in Handelsprozesse einklinken, zeigt der Fall: Der Zugriff auf fremde Plattformen ist längst nicht mehr technische Nebensache, sondern Gegenstand handfester Konflikte zwischen den großen Anbietern. Die KI Prompt Engineering-Weiterbildung von Distart hilft dabei, solche Entwicklungen rund um KI-Agenten fundiert einzuordnen.
Fazit
- Muse erreichte binnen drei Wochen 3,4 Millionen Downloads und wächst laut Berichten schneller als ChatGPT in dessen Anfangsphase
- Meta bringt Muse auf KI-Brillen, stellt mit Muse Charm ein eigenes Mini-Gerät vor und kündigt mit den Meta VR Glasses ein neues VR-Headset an
- Ein Early-Access-Programm lässt Interessierte kommende Funktionen wie einen Video-Avatar und Mac-Steuerung vorab testen
- Amazon blockiert Muse seit dem 20. September aus Sicherheits- und Datenschutzgründen vom eigenen Einkaufsprozess





