Kaum ist ChatGPT for Teens gestartet, melden Kinderschutz-Expert:innen Zweifel an. Gleichzeitig öffnen sich neue Wege für ChatGPT-Werbung, Alibaba sammelt Milliarden für seine KI-Offensive ein und ein anonymes KI-Modell sorgt für Rätselraten in der Entwickler-Szene.
Das Thema kurz und kompakt
- Kinderschutz-Expert:innen äußern sich skeptisch zu ChatGPT for Teens und fordern unabhängige Tests, bevor Eltern den neuen Schutzfunktionen vertrauen sollten.
- ChatGPT-Werbung lässt sich seit dem 24. August in 31 europäischen Ländern buchen – über Criteo jetzt auch ohne den Umweg über eine der großen Werbeagenturen.
- Alibaba sammelt über eine Aktienplatzierung in Hongkong mehr als 10 Milliarden US-Dollar für seine KI-Infrastruktur ein – die größte Kapitalerhöhung eines börsennotierten Unternehmens in Hongkongs Geschichte.
- Ein anonymes „Stealth"-Modell namens Ox Alpha taucht plötzlich bei Entwickler-Plattformen auf und schlägt in Coding-Benchmarks etablierte Modelle – niemand weiß offiziell, wer dahintersteckt.
Kritik an ChatGPT for Teens
Kaum war die neue, altersbeschränkte Version von ChatGPT für 13- bis 17-Jährige veröffentlicht, meldeten sich mehrere Kinderschutz-Organisationen zu Wort. Ihr zentraler Kritikpunkt: Die neuen Schutzmaßnahmen – etwa automatische Alterserkennung, Benachrichtigungen an verknüpfte Eltern-Accounts bei riskanten Gesprächen oder feste „Quiet Hours“ – seien bislang nicht unabhängig getestet. Ob die automatische Alterserkennung zuverlässig funktioniert und wie leicht sich die neuen Schutzmechanismen umgehen lassen, ist öffentlich nicht belegt. Ein weiterer Kritikpunkt betrifft die Eltern-Verknüpfung selbst: Sie setzt voraus, dass Eltern die Funktion überhaupt aktiv einrichten – laut den befragten Expert:innen nutzen das die wenigsten. OpenAI selbst betont, Sicherheit habe für Minderjährige Vorrang vor Datenschutz und Freiheit.
ChatGPT-Werbung: Buchung jetzt auch ohne Großagentur möglich
Seit dem 24. August ist ChatGPT-Werbung in 31 europäischen Ländern verfügbar, darunter Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien und Österreich. Zum Start läuft die Buchung vor allem über OpenAIs eigenes Ads-Solutions-Team sowie eine Handvoll großer Agenturnetzwerke wie Publicis, WPP, Omnicom oder Dentsu – eine breit zugängliche Self-Service-Plattform soll erst später im Quartal folgen. Für kleinere Unternehmen und Agenturen, die keinen direkten Zugang zu diesen Partnerschaften haben, bietet die französische Commerce-Plattform Criteo inzwischen eine Alternative: Über deren Cross-Channel-Anbindung lassen sich ChatGPT-Anzeigen bereits jetzt direkt buchen, samt zusätzlicher Daten zur Kaufabsicht der Nutzer:innen.
Alibaba sammelt über 10 Milliarden Dollar für KI ein
Der chinesische Technologiekonzern Alibaba hat sich über eine Aktienplatzierung an der Börse in Hongkong frisches Kapital in Milliardenhöhe beschafft: 710 Millionen neue Aktien brachten rund 80 Milliarden Hongkong-Dollar, umgerechnet gut 10,2 Milliarden US-Dollar. Es handelt sich um die größte Kapitalerhöhung eines bereits börsennotierten Unternehmens in der Geschichte der Hongkonger Börse. Das komplette Kapital soll laut Alibaba in den Ausbau der eigenen KI-Infrastruktur fließen – vor allem in Cloud-Kapazitäten und Rechenzentren. Der Schritt unterstreicht den Umbau des einstigen E-Commerce-Konzerns zu einem KI- und Cloud-Unternehmen, nachdem der Gewinn zuletzt wegen hoher KI-Investitionen deutlich zurückging.
Das Rätsel um Ox Alpha
Am 20. August tauchten auf der Entwickler-Plattform OpenRouter und im Coding-Tool OpenCode ein neues KI-Modell auf, ohne dass sich ein Anbieter dazu bekannt hätte: Ox Alpha. Als sogenanntes „Stealth-Modell“ verarbeitet es Text, Bilder und Video, verfügt über ein Kontextfenster von gut einer Million Token und war für rund eine Woche kostenlos nutzbar. Bei Coding-Benchmarks schneidet es nach ersten, unabhängigen Community-Tests in einigen Fällen sogar besser ab als etablierte Modelle wie GPT-5.6 Sol oder Grok 4.6. Wer dahintersteckt, ist offiziell nicht bestätigt – erste Spekulationen deuten auf ein chinesisches Labor hin, mit dem GLM-5-Anbieter Z.ai als derzeit meistgenanntem Kandidaten.
Für Unternehmen ist bei solchen anonymen Modellen Vorsicht angebracht: Ohne Angaben zu Betreiber, Datenverarbeitung oder Sicherheitsmechanismen gehören sensible Daten oder Zugangsdaten nicht in die Eingaben.





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